#49

13 Okt

#49 Sternschwuppe

Das ist Victor!

Victor ist 22 Jahre jung und studiert an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg im 7. Semester Medizin. Das allein finde ich ja schon toll, aber das ist heute nicht der Grund warum Victor mein Held ist. Als er nach Magdeburg zum Studieren kam, wollte er irgendwo ehrenamtlich mitwirken und damit der Gesellschaft etwas zurück geben. Und so wurde er Referent der Studentischen Interessenvertretung „DykeAndGay“, denn Victor ist schwul.

DykeAndGay ist ein unabhängiges Referat innerhalb des  Studierendenrates der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Sie bilden die studentische Interessenvertretung für alle sexuellen Minderheiten der Uni. Ziel der Mitglieder ist es, sowohl les-bi-schwulen oder transsexuellen Studierenden eine Anlaufstelle zu geben, als auch bei Problemen im allgemeinen Uni-Alltag zu helfen. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Kultur und Politik. In jedem Semester werden Vorträge, Buchlesungen, Podiumsdiskussionen, Filmabende und ähnliche Dinge organisiert – aber selbstverständlich auch Partys!  Jede Woche werden  Treffen veranstaltet, bei denen man die Mitglieder und noch viele andere Leute kennen lernen kann.

Aber nicht nur über die Arbeit des Referats haben wir gesprochen. Auch ein anderes Thema lag ihm sehr am Herzen. Denn oft wird er gefragt warum es Homosexualität gibt, wie das entsteht und vor allem was der evolutionäre Sinn dabei ist.

Die Forschungen sind bei der männlichen Homosexualität mittlerweile viel weiter als bei der weiblichen, sodass sich der nachfolgende Absatz eher auf das Schwul-Sein konzentriert, wobei die meisten Wissenschaftler davon ausgehen, dass ähnliche Mechanismen auch für das Lesbisch-Sein gelten. Natürlich sind sich nicht immer alle einig und auch ist noch nicht 100-prozentig sicher, dass die Ergebnisse schon alle richtig sind, aber die meisten international renommierten Forscher gehen mittlerweile davon aus, dass ihre Erkenntnisse bisher schlüssig sind.

Viele halten Homosexualität für eine Art der Populationskontrolle. Es gibt unzählige Tierarten, bei denen das Auftreten von Homosexualität belegt ist. So wurden unter anderem gleichgeschlechtliche Paare bei Löwen, Zebras, Elefanten und diversen Vogelarten, z.B. Pinguinen, beobachtet. Man geht davon aus, dass der Verlauf der Schwangerschaft wesentlich zum Auftreten von Homosexualität beiträgt, wobei die einzelnen Faktoren noch nicht identifiziert werden konnten. Unter anderem scheinen  Stresshormone eine Rolle zu spielen. So konnte beobachtet werden, dass schwule Jungen vor allem solchen Müttern geboren werden, die eine schwierige Schwangerschaft hinter sich hatten (Komplikationen, emotionale Belastung usw.). Dies scheint gleichermaßen für Tiere zu gelten. Es liegt der Schluss nahe, dass beispielsweise in Zeiten von Nahrungsknappheit (die natürlich mit deutlich erhöhtem Stress und körperlichen Entbehrungen einhergehen) in vielen Tierpopulationen homosexueller Nachwuchs geboren wird.

Das ist insofern sinnvoll, als dass diese Tiere selbst keinen Nachwuchs zeugen werden, wodurch die Nahrungsknappheit nicht weiter verschärft wird. Auch scheint die Anzahl der älteren Brüder einen Einfluss zu haben: je mehr Jungen eine Mutter bereits geboren hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste Junge schwul wird. Auch dies fügt sich in die Argumentation der drohenden Verknappung von Nahrung.

Nun stellt sich natürlich die Frage, wie der Sinn der Fortpflanzung erfüllt werden kann, der doch darin besteht, die eigenen Gene an die nächste Generation weiterzugeben. Dies wird dadruch sichergestellt, dass vor allem in Rudel- oder Herdenverbänden homosexuelle Individuen in der Lage sind, sich um den Nachwuchs ihrer Geschwister sehr intensiv zu kümmern (also quasi ihre Nichten und Neffen). Durch die überdurchschnittlich intensive Pflege, die diesen Geschöpfen zuteil wird, die nicht nur von eigenen, sondern zusätzlich noch von „Leih“eltern versorgt werden, steigt deren Chance, das fortpflanzungsfähige Alter zu erreichen. Da es sich nun um die Nichten bzw. Neffen der homosexellen Leiheltern handelt, stimmt ein erheblicher Prozentsatz der genetischen Ausstattung zwischen beiden überein, sodass auch die sich nicht selbst fortpflanzenden Tiere die Weitergabe eigenen Genmaterials gesichert haben.

Ich finde das klingt alles irgendwie sehr plausibel. Aber wie  beschrieben, ist man mit den Forschungen noch lange nicht am Ende.

Vielen lieben Dank lieber Victor für diese interessanten Erkenntnisse, ich wünsche dir noch viel Erfolg für dein Studium  und danke dass ich dich zu meinem Helden machen durfte :-D

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